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Internetzensur: CareChild-Versuch blamiert Deutsche Politiker Drucken
Montag, 02. März 2009
Internetzensur: CareChild-Versuch blamiert Deutsche PolitikerMünster (carechild) - Kleiner Versuch mit grosser Wirkung: CareChild testet die Bekämpfung von Internetinhalten mit Kinderpornografie und kommt zu einem beschämenden Ergebnis für die Deutsche Politik.



Nur ein kleiner Versuch mit geringem Aufwand sollte es sein. Nicht länger als 1 Tag sollten die Vorbereitungen (juristisch & technisch) dauern und nach 48 Stunden sollten mindestens die Hälfte von insgesamt 20 Domains, von der offiziellen dänischen Sperrliste für kinderpornografische Webinhalte, nicht mehr erreichbar sein.

Getestet werden sollte u.a. wie schnell lassen sich Internetseiten, die Kinderpornografie enthalten oder von denen es zumindest behauptet wird,  abschalten. Wie schnell und unter wieviel Druck reagieren die Provider?

Nach der Veröffentlichung der dänischen Sperrliste im Internet war es erstmals überhaupt möglich solch einen Versuch durchzuführen. Die geballte Sammlung von knapp 3.500 gesperrten Domains sind immerhin eine Datengrundlage, mit der man arbeiten kann.

Juristische Prüfung

Vorher waren jedoch noch Hausaufgaben juristischer Art zu machen. Ein Zugriff auf die gesperrten Seiten kam nicht in Frage. Wie sollte also geprüft werden, ob sich überhaupt kinderpornografische Inhalte darauf befinden? Ein schnell dafür entwickeltes Programm konnte helfen. Es zog lediglich die HTML Seiten (den reinen Text) und prüfte auf Verfügbarkeit und dem vorkommen bestimmter Stichworte. Multimediainhalte (Bilder/Flash/Video etc.) werden dabei nicht heruntergeladen. Ein Stichworttreffer qualifizierte die Seite für den Test.

Zeitaufwand: 1 Arbeitstag

Der Zeitaufwand dafür betrug lediglich ca. 8 Stunden - der Arbeitstag eines Polizisten. Darin eingerechnet ist bereits  der Zeitaufwand für die Programmierung.

Bei dem Versuch wurden die Provider, bei denen die Inhalte physikalisch gespeichert waren, angeschrieben. Neben der Mitteilung der Domain und deren IP Adresse wurde auch mitgeteilt, dass sich die Domain auf der Sperrliste befindet und zur sofortigen Abschaltung selbiger aufgefordert.

Besser und einfacher als erwartet
Im Ergebnis waren 16 Internetdomains, die sich auf der dänischen Sperrliste befanden Geschichte, einige sogar dauerhaft. Bei 4 Domains teilten die Provider mit, es handele sich nicht um illegales Material oder der Seitenbetreiber hätte sogenannte "record keeping documents" vorgelegt, aus denen das (volljährige) Alter der Darsteller hervorgeht.

Die Dokumentation zu dem Versuch, mit ausführlichen Ergebnissen, kann hier heruntergeladen werden:
 CareChild Versuch - Bekämpfung kinderpornografischer Internetseiten CareChild Versuch - Bekämpfung kinderpornografischer Internetseiten.


Beschämendes Ergebnis
Das Ergebnis ist beschämend für die Politik, insbesondere für Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Die Deutsche Sperrliste wird zu grossen Teilen identisch mit der Liste der anderen Länder sein, insbesondere was die Qualität der Seiten angeht. Das diese so leicht und mit derart geringem Aufwand aus dem Netz zu fegen sind, sollte nachdenklich stimmen.

Denn dies hätte letztendlich schon längst in Angriff genommen werden können, statt sich mit naiven Zensurwünschen und der Präsentation brutaler Kinderpornos vor Journalisten und Providern noch vor der Wahl profilieren zu wollen. An dem eigentlichen Problem der kommerzialisierten Kinderpornografie ändert dies alles ohnehin nichts. Diese ist weder von Zensur und Sperrlisten beeinflussbar noch von der schnellen Abschaltung durch Informationen an Provider. Dafür funktionieren die Abläufe und Methoden der überaus gut organisierten kriminellen Strukturen einfach zu gut.

Bild: Symbolfoto pixelio / Rolf van Melis

Mehr zu diesem Thema:

Downloads:
CareChild Versuch - Bekämpfung kinderpornografischer Internetseiten CareChild Versuch - Bekämpfung kinderpornografischer Internetseiten.
Gutachten des Deutschen Bundestages zur Filterung von Kinderpornografie Gutachten des Deutschen Bundestages zur Filterung von Kinderpornografie
Internetzensur - vertraulicher Vertragsentwurf zwischen BKA und ISP Internetzensur - vertraulicher Vertragsentwurf zwischen BKA und ISP

Artikel:
Internetzensur: CareChild-Versuch blamiert Deutsche Politiker
Falk: Zensurkritiker fördern Kinderpornografie
Rechtsprofessor: Vertragsentwurf zur Internetfilterung ist juristisch sinnlos
Bundestagsgutachten bestätigt CareChild-Kritik an Filter für Kinderpornografie
Bundestags-Ausschuss: Erhebliche Bedenken gegen Internetsperren
Von der Leyens Zensurpläne: Interview mit Internetexperten MdB Jörg Tauss (SPD)
Pressemitteilung: Kinderpornografie - Filterpläne der Bundesregierung dämmen Bilderflut nicht ein
Filterung von Kinderpornografie ist ungeeignet
CareBlog: Bundesfamilienministerin will Kinderpornos verbreiten




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Kommentare (20)add
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Unglaublich
geschrieben von KalleWirsch, 03.03.2009
Ich habe immer mehr das Gefühl wir werden belogen und betrogen. Aber ein problem bleibt trotzdem: die Domains werden einfach zu einem anderen Provider verlegt und sind schnell wieder da!
...
geschrieben von chefdiplomat, 03.03.2009
Wenn das stimmt, wo kommen all die zehntausende verfahren her gegen perverse die sich kipo runtergeladen haben? Wenn man die seiten so einfach wegbekommt, warum MACHT DAS DANN NIEMAND?
...
geschrieben von Karl-Heinz Pfirster, 03.03.2009
Ich bin entsetzt wie kaltschnäuzig Ursula von der Laien und der Typ von der Stasi unsere Freiheit mit Füssen treten und wie dämlich andere Politiker sind, die diese beiden in Schutz nehmen. Ich habe bislang nicht das Gefühl gehabt, das *gerade* auf dieser Seite Kinderpornografie verharmlost wird. Dennoch versuchen einige schäbige Politiker mit Fingern auf Zensurkritiker zu zeigen. Das ist abartig. Unwirksam gegen Kinderpornos aber die Musikindustrie ist bestimmt schon ganz heiss auf die neue Infrastruktur zum Webseiten sperren.
Da sind wohl ein paar Leute zu oft in China gewesen.
Warum
geschrieben von Markus, 03.03.2009
"warum machts dann keiner?" ist eine gute frage. Wenn das so einfach ist, warum macht careChild das nicht schon längst?
...
geschrieben von Karl-Heinz Pfirster, 03.03.2009
Markus, vielleicht weil es *jetzt* erstmals die Datenbasis dazu gibt (siehe Artikel) und ich schätze es gibt hier nicht das Geld um soviel Personal zu beschäftigen die man dafür brauchen täte.
Und staatliche Förderungen würde ich nach den ganzen Artikeln mal ausschliessen ;D
Juristische Prüfung
geschrieben von Läpple, 05.03.2009
Wie können Sie anhand "bestimmter Stichworte" im Text feststellen, dass Bilder etc., die Sie nicht gesehen haben, strafbare Inhalte aufweisen ?
Wie kommen Sie darauf, dass der "reine Text" niemals strafbaren Inhalts sein kann ?
____________

Mod: Beide Feststellungen hat niemand getroffen.

bald seid ihr auch dran
geschrieben von der wahn geht weiter, 05.03.2009
wetten, dass sie jetzt bald bei euch die bude filzen und alles mitnehmen und euch einsperren? wer immer noch nicht kapiert, dass wir von schwerst-kriminellen kriegstreibern, waffenschiebern und finanz-schnorrern regiert werden, wird eh nix mehr kapieren. die überwachung ist die wichtigste massnahme, um weitere schritte zum umbau der republik und die machtergreifung voranzutreiben.
Glueckwunsch, aber...
geschrieben von Der Ingenieur, 05.03.2009
Zunaechst einmal herzlichsten Glueckwunsch zu der gelungenen Aktion, sowohl was das Abklemmen der Domains als auch die Blamage der Politik betrifft. Messtechnisch habe ich allerdings zu bemaengeln, das der Eintrag auf der Sperrliste bei den Providern erwaehnt wurde. Jetzt stellt sich naemlich die Frage, wieviel Einfluss der Schatten der staatlichen Zensurkeule auf die Entscheidung der Provider hatte. Waere doch gut gewesen, wenn's auch ganz ohne geklappt haette.
OT: Unerwünschte Browser werden serverseitig abgewiesen
geschrieben von Schnauzentier, 06.03.2009
Wieso bitte darf man diese Homepage nur mit einem dem Server genehmen Webbrowser laden? Soll das ein DoS-Schutz sein oder wie? Das ist zum Einen völlig ineffektiv und zum Anderen nicht gerade nett.
_______________
Mod: Tsss, als wenn wir nett sein müssten. ;D
Nein im Ernst, es ist uns vollkommen egal welchen Browser Sie benutzen. Es sind ein paar Troublemaker als bad-bots geblockt, hauptsächlich asiatische Suchmaschinen und son Zeugs. Welcher Browser soll das denn gewesen sein?

Glückwunsch
geschrieben von Alligator, 06.03.2009
Das ist ein tolles ergebnis!
@läpple: wenn ich das richtig verstanden habe wurde für den Versuch einfach unterstellt, es handele sich um strafbare Inhalte, wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit vorlag. da es hier nicht um anzeigen und bestrafen ging, halte ich das für OK. Texte können natürlich kinderpornografisch sein, aber automatisiert heruntergeladen, geprüft und wieder verworfen ohne zu speichern [davon geh ich mal aus] ist das auch OK.

@schnauzentier: mein browser funktioniert :D
Gute Aktion!
geschrieben von Donald, 07.03.2009
Das war mal eine gute Aktion. Deckt sie doch eine weitere Falschinformation der Öffentlichkeit auf, nämlich dass die zu zensierenden Server in "rechtslosen" Ländern stehen würden, wo man an der Quelle sowieso nichts machen könnte.

Die Server stehen überwiegend in den USA, danach kommen auf Platz 2 und 3 Australien und Deutschland!

Das ist beschämend, Fr. von der Leyen!

Sie wollen "Datenautobahn" nicht schließen, indem sie Schmuggellaster an der Einfahrt rauswinken, sondern indem sie anderen Autofahrern eine geschwärzte Brille verordnet?

Link zu externem Kommentar
geschrieben von Redaktion, 09.03.2009

Einen, recht interessanten, Kommentar dazu gibt es auch auf dieser Seite:
amish-geeks.de



Wie geil ist das denn?
geschrieben von HeiseForumFreak, 13.03.2009
Alle Achtung, (Ironie:) da müsste UvdL oder die BKA-Zensurtrolle doch gleich mal carechild auf die Sperrseite setzen ("*child" könnte ja als "gestoppter User" suspekt klingen). Denn so eine saubere zensurfeindliche Lösung darf es für die Verfassungsfeine von BKA, LKA, BND und BSI einfach nicht geben.
Das ist das Gute an Informationsfreiheit
geschrieben von Donald, 14.03.2009
Bemerkenswert übrigens, dass CareChild dazu auch nur in der Lage war, weil die Liste geleakt wurde und fleißige Blogger darauf aufmerksam gemacht haben. Aber lassen wir das....
Red.: das ist unrichtig.
Sondern?
geschrieben von Donald, 16.03.2009
Red, was meinst du mit unrichtig? Die im Versuch verwendete Liste ist doch ganz klar die von Wikileaks?
Hat sich von der Leyen strafbar gemacht?
geschrieben von Nils, 04.04.2009
Wie kann es sein dass Frau v.d.L. öffentlich Kinderpornographie vorführt und dafür nicht belangt wird, wo doch der Besitz strafbar ist? Gilt hier der straffreie Besitz für berufliche Zwecke, anders als bei Herrn Tauss? Wie kann es sein dass sie und andere Kentniss von den Seiten hat aber nichts gegen die Hintermänner/Hinterfrauen unternimmt?
@Nils
geschrieben von Mark, 17.04.2009
1. Ja, es ist unter großen Einschränkung bestimmten Personen erlaubt solches Material zu besitzen. Geregelt in Paragraph 184b Absatz 5.
2. Wie Herr Tauss seine Materialen genutzt hat, kann nur und wird ja nun ein Gericht klären. Je nach dem Ergebnis wird er freigesprochen oder nicht.
3. Die öffentlichen Vorführungen von Frau v.d.L. sind mit Sicherheit durch 184b Absatz 5. gedeckt. (Meines Wissens sind die Bilder aus immer verpixelt gewesen etc., nicht? Spielt aber keine große Rolle.)
4. Warum unternehmen sie nicht gegen Hintermänner? Es kommt immer die Entschuldigung, die Hintermänner seien schwer zu ermitteln, da die Webseiten im Osten oder Afrika gehostet werden etc. Dies ist nachweislich falsch, ein Großteil der Webseiten sind in den USA und Europa (insbesondere Deutschland) gehostet, nur ein kleinerer Teil in Asien.
Diese Tatsache, dass man sehr viel mehr gegen die Seiten selbst & die Hintermänner tun kann, dass Internet-Sperren per DNS dagegen völlig sinnlos sind, muss sich in der Bevölkerung herumsprechen. Erst dann wird der Druck auf F.v.L. und ihre Kollegen groß genug, dass sie ihre Handlungsweise ändern. Solange das nicht passiert, wird mit der Internet-Sperre Wahlkampf gemacht.
@ chefdiplomat
geschrieben von Andreas, 24.04.2009
Wenn du auf die wundersamme Zeitungsente von Himmelssturm oder wie es heißt anspielst: Das war nur heise Luft... Da hat es nach zwei oder drei Tagen Presserummel nichts gegeben. Weil nichts war. Es war kaum einem Überhaupt etwas nachzuweisen. Und im Ausland haben wir uns damit besonders schön auf die Nase gelegt. Hab bekannte in Belgien, die Lachen heute noch darüber.
8 stunden ist viel zu lange!!
geschrieben von chefAuthor, 29.04.2009
8 stunden ist viel zu lange laut MdB Dr. Lale Akgün (SPD)

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Das Abschalten von Servern, besonders von Servern im Ausland wird als zu zeitaufwändig eingeschätzt.
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http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_lale_akguen-650-5523--f176659.html#frage176659
Acht Stunden
geschrieben von ketzerisch, 05.05.2009
@Vorposter

Die acht Stunden war der Gesamtaufwand der Aktion und nicht die Zeispanne bis zur Entfernung der Inhalte.
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